„Manchmal ist man Elternersatz“

Doris Schmidt kümmert sich als Fallmanagerin U25 um einen Berg von Problemen

 

Mittwochnachmittags ist es in den Büros des Jobcenters in der Berliner Straße in Bad Hersfeld ruhig. Für den Kundenverkehr ist sie ab 13 Uhr geschlossen – Zeit für Doris Schmidt ein paar Sachen abzuarbeiten. Die 63-Jährige arbeitet als Fallmanagerin U25 im Jobcenter Hersfeld-Rotenburg. Ein Job, der ihr viel Spaß macht.

Im Fachdienst Hersfeld-Stadt sind vier Mitarbeiter beschäftigt, die für das Fallmanagement von unter 25-Jährigen zuständig sind. Ziel ist es, die Leute irgendwann dorthin zu bringen, dass sie ihren Lebensunterhalt durch Arbeit selbst finanzieren können. Bis dahin ist es aber oft ein langer Weg, der sich über mehrere Jahre ziehen kann. „Wir müssen die Probleme der Menschen erst erkennen und lösen. Wenn das passiert ist, können wir versuchen, sie zu vermitteln“, so Doris Schmidt.

Gemeinsam mit ihren Kollegen betreut sie Menschen im Alter von 15-25 Jahren. Im Zuge der Arbeit baut sich meist ein „Vertrauensverhältnis mit Abstand“ auf. Sowohl Vertrauen als auch eine gewisse Distanz seien bei der Arbeit wichtig. Aber es gibt auch eine andere Seite: „Gerade, wenn es um Geld geht, kann es auch mal zu Androhungen von Gewalt oder verbalen Angriffen und Spannungen kommen.“

Das familiäre Fallmanagement macht einen wichtigen Teil der Arbeit aus. Dabei wird die Familie in Hinblick auf Probleme und Schwierigkeiten beleuchtet. Neben arbeitsmarktorientierten Hilfsangeboten wird jeweils die individuelle Situation der Menschen in den Fokus genommen. Ein besonderer Faktor ist dabei das Helfernetzwerk. Wichtige Ansprechpartner gibt es in den unterschiedlichsten Bereichen – Schule, Jugendamt, Polizei, Hausverwaltungen und viele weitere. „Manchmal ist man für die Leute eine Art Elternersatz“, resümiert Doris Schmidt.

Die Niederaulerin ist als Quereinsteigerin im Jobcenter tätig. Nachdem sie viele Jahre in der freien Wirtschaft tätig war, arbeitete sie fünf Jahre lang für die Agentur für Arbeit. Seit 2005 ist sie Fallmanagerin U25 im Jobcenter. In diesem Jahr hätte sie in Vollzeit-Rente gehen können, stattdessen entschied sie sich für eine Kombinationslösung: die Flexi-Rente. „Der Gedanke schon dieses Jahr in Rente zu gehen, hat mir nicht gefallen. Es macht mir viel Spaß, das wollte ich nicht aufgeben“, erklärt sie.

Vor allem Erfolgsgeschichten sind der Grund, warum sich ihre Arbeit lohnt. „Wir hatten mal einen Jungen bei uns, er war ohne Perspektive. Es gab kaum Hoffnung auf eine gute Zukunft“, erinnert sich Doris Schmidt. Trotzdem konnte das Jobcenter den Mann an einen Tischlerbetrieb vermitteln, wo er eine Ausbildung absolvierte. Heute steht er mit beiden Beinen im Leben.

Ihrem Büro sieht man auch an diesem Mittwoch an, dass sie mit einem Berg von Problemen der Menschen zu kämpfen hat. Die Akten stapeln sich nur so in ihrem Aktenschrank. Um den Stress des Jobs zu vergessen und Ruhe zu finden, näht Doris Schmidt gerne. Zudem ist sie sehr naturverbunden, fährt gerne Rad oder wandert mit ihrem Mann.